Karlsruhe steht vor einer finanziellen Zuspitzung, die sich seit Jahren abzeichnete und nun mit voller Wucht sichtbar wird. Der massive Einbruch der Gewerbesteuereinnahmen, die drohende Rückzahlung von über 50 Millionen Euro sowie die nun verhängte Stellenbesetzungssperre sind keine isolierten Ereignisse, sondern Symptome eines strukturellen Problems im städtischen Haushalt und der lokalen WIrtschaft. Auch eine städtische Haushaltssperre ist nun nicht mehr auszuschließen.
Mit der ab März geltenden Stellenbesetzungssperre reagiert die Stadtverwaltung auf ein Finanzloch von rund 50 Millionen Euro, das durch eine Steuerrückzahlungsforderung vom Energieversorger EnBW entstanden ist, wie SWR und BNN berichteten. Gleichzeitig steht eine haushaltswirtschaftliche Sperre in Höhe von weiteren 60 Millionen Euro im Raum. Für FÜR Karlsruhe ist klar: Diese Entwicklung kommt nicht überraschend. Bereits seit Jahren warnen einzelne Stadträte, Experten und viele Bürgerinnen und Bürger vor einer stetig wachsenden Verschuldung, steigenden Zinslasten und einem immer enger werdenden finanziellen Handlungsspielraum.
Die Gesamtverschuldung der Stadt und ihrer Beteiligungen liegt inzwischen bei mehreren Milliarden Euro. Schon heute erwirtschaftet Karlsruhe kaum noch die fälligen Zinsen, mahnt Stadtrat Friedemann Kalmbach (FÜR Karlsruhe) in der Lokalausgabe der BNN vom Freitag, den 13. Februar 2026. Dennoch wurden in den vergangenen Haushaltsjahren Entscheidungen getroffen, die neue dauerhafte Ausgaben geschaffen oder bestehende Strukturen weiter verfestigt haben, ohne die langfristige Finanzierbarkeit zu berücksichtigen.
Stadtrat Kalmbach (FÜR Karlsruhe) kritisiert, dass notwendige strukturelle Weichenstellungen zu lange vertagt wurden. Schon in den Haushaltsverhandlungen im vergangenen Herbst wurde klar, dass eine Einsparung von 80 Mio. nicht ausreichen wird, und mindestens bis zu 130 Mio. eingespart werden müssten. Diese Lücke falle der Stadt und dem Gemeinderat nun auf die Füße. Statt einer ehrlichen Prioritätendebatte dominierten Einzelinteressen, projektbezogene Ausnahmen und kurzfristige politische Kompromisse. Die jetzigen pauschalen Sparinstrumente drohen nun gerade jene Bereiche zu treffen, die für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Leistungsfähigkeit der Stadt besonders wichtig sind.
Eine Stellenbesetzungssperre scheint nun in der jetzigen Situation unausweichlich und ist bitter, aber sie ersetzt keine nachhaltige Haushaltspolitik“, erklärt Stadtrat Kalmbach (FÜR Karlsruhe). „Wir brauchen endlich eine klare Trennung zwischen Pflichtaufgaben und freiwilligen Leistungen, eine realistische Investitionsplanung und den Mut, auch unbequeme Entscheidungen zu treffen. Ich fordere den Gemeinderat und die Verwaltung auf, die aktuelle Krise als Wendepunkt zu begreifen. Notwendig sind eine transparente Darstellung der finanziellen Risiken, eine kritische Überprüfung wirklich aller Ausgaben – auch bei prestigeträchtigen Projekten – sowie ein langfristiges Finanzkonzept, das über kurzfristige Sparmaßnahmen hinausgeht. Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem es keine Denkverbote mehr geben darf. Wir können nicht so weitermachen wie bisher. Viele Dinge, die wir über Jahre als normal und selbstverständlich betrachtet haben, werden nicht mehr finanzierbar sein und wegfallen müssen. Diese Debatte müssen wir offen, ehrlich und gemeinsam mit der Bürgerschaft führen. Tun wir das nicht, wird das Erwachen für viele umso einschneidender. Wenn bislang nur punktuell finanziell zurückgefahren wurde, dann müssen wir jetzt über das Grundsätzliche sprechen.
FÜR Karlsruhe wird sich dafür einsetzen, dass Nachhaltigkeit und Verantwortung gegenüber kommenden Generationen wieder Maßstab der städtischen Finanzpolitik werden, heißt es aus der Geschäftsstelle der Gruppierung im Gemeinderat.
