Angesichts der drastischen Kostensteigerungen bei der geplanten Südumfahrung Hagsfeld hat die Wählergruppe FÜR Karlsruhe einen Änderungsantrag zur kommenden Gemeinderatssitzung (Dienstag, 27.01.) eingebracht. Stadtrat Friedemann Kalmbach fordert darin einen Kurswechsel: Statt der teuren Troglösung soll die ursprünglich von der Verwaltung favorisierte Brückenvariante realisiert werden. Ziel ist es, das Projekt finanziell abzusichern und ökologische Risiken zu minimieren.

Die aktuelle Beschlussvorlage der Stadtverwaltung beziffert die Kosten für die Trogbauweise mittlerweile auf 132,5 Millionen Euro – eine Verdopplung gegenüber den Annahmen von 2020 (damals ca. 70 Mio. €). „Angesichts der historischen Haushaltsnotlage der Stadt Karlsruhe können wir es uns nicht leisten, an einer Entscheidung festzuhalten, deren Geschäftsgrundlage sich so dramatisch verändert hat“, erklärt Stadtrat Friedemann Kalmbach.

FÜR Karlsruhe verweist darauf, dass eine Brückenlösung (aufgeständerte Bauweise) nach marktüblichen Schätzungen Investitionsmittel im zweistelligen Millionenbereich einsparen könnte. Da das Land Baden-Württemberg (RP) in der Regel nur die Kosten der wirtschaftlichsten Lösung fördert, würde der enorme Mehrpreis für den Trog voraussichtlich fast vollständig bei der Stadt Karlsruhe verbleiben. „Wir drohen hier, Steuergelder für eine ästhetische Vorzugslösung auszugeben, die wir an anderer Stelle dringend für Schulen oder die soziale Infrastruktur bräuchten“, so Kalmbach.

Ein zentrales Argument des Änderungsantrags sind die langfristigen Folgekosten. Während der Trog durch den nötigen Dauerbetrieb von Grundwasserpumpen und Beleuchtung jährliche Kosten von prognostizierten 3,8 Millionen Euro verursacht, läge eine Brückenlösung hier erfahrungsgemäß bei einem Bruchteil dieser Summe. „Ein Trog im Grundwasser ist ein dauerhafter Kostentreiber für unseren Ergebnishaushalt. Über eine Laufzeit von 30 Jahren sprechen wir hier von einem kumulierten Einsparpotenzial von über 80 Millionen Euro zugunsten der Brücke. Diese Belastung bewusst in Kauf zu nehmen, wäre generationenungerecht“, warnt Kalmbach.

Auch jenseits der Finanzen sprechen gewichtige Argumente für den Schwenk. Der Bau einer Brücke greift nicht in die sensiblen Strömungsverhältnisse der Kinzig-Murg-Rinne ein und vermeidet das Risiko eines Grundwasseraufstaus. Zudem ist die Brücke im Betrieb energiesparender (keine Pumpen) und weist aufgrund des geringeren Materialeinsatzes eine bessere CO₂-Bilanz bei der Erstellung auf. Technisch bietet die Brücke zudem den Vorteil, unabhängig von den Zeitplänen der Deutschen Bahn errichtet werden zu können, was das Risiko von Verzögerungen durch die DB-Korridorsanierung mindert.

FÜR Karlsruhe appelliert an die Kolleginnen und Kollegen im Gemeinderat, die Entscheidung von 2020 im Lichte der neuen Fakten zu korrigieren. „Es ist keine Schande, eine Planung zu ändern, wenn die Realität dies erfordert. Es ist ein Gebot der wirtschaftlichen und ökologischen Vernunft“, resümiert Friedemann Kalmbach.